Tamron 28-75 mm F/2.8 Di III VXD G2 im Test & Vergleich

Eine neue Version vom super kompakten und allzeit beliebten Tamron 28-75 mm F/2.8 ist da! Anfangs dachte ich noch: Ach, brauch ich sicher nicht. Ich bin doch super happy mit der ersten Version, welche ich mir 2019 zugelegt habe (Link zum Beitrag). Doch dann kam ein super spannender Tamron Abend in Karlsruhe, der vom netten Thomas Adorff (Link) organisiert und uns von Foto Franz aus Kehl empfohlen wurde (Link). Was soll ich sagen? Wir haben so ziemlich jede aktuelle Tamron Linse durchtesten können und waren einfach nur baff. Tolle Objektive, wundervolle Models, coole Fotografen und super nette & kompetente Hersteller / Händler / Gastgeber. So stelle ich mir einen gelungenen Abend vor!

Wenn der Fokus ausnahmsweise auf einem anderen „Model“ liegt – MarryCat mit dem Tamron 28-75 F/2.8 V2

Größtenteils hatten Dominik und ich nur Augen für das 35-150 mm F/2-2.8, welches wir jetzt beide unser Eigen nennen können (Link zum Review). Aber auch das neue 28-75 mm F/2.8 hat mein Interesse geweckt. Doch der Abend war mal wieder viel zu schnell vorbei, als das ich mir eine endgültige Meinung hätte bilden können. Glücklicherweise haben wir jetzt einen neuen Kontakt zu Tamron und dadurch die Möglichkeit bekommen das Objektiv ganz in Ruhe und ohne Stress für fast zwei Wochen zu testen. DANKE! Was die neue Linse alles kann, was jetzt alles im Vergleich zur ersten Version neu ist und ob sich ein Umstieg lohnt, besprechen wir in diesem Beitrag – Viel Spaß.

Anzeige: Wir haben das Objektiv von Tamron für einen zweiwöchigen Test kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, Tamron nimmt aber zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf unsere Arbeit oder unsere Aussagen. Die Beiträge werden auch nicht vorher kontrolliert und es werden uns auch keine Vorgaben gemacht. Dieser Beitrag enthält Amazon & Ebay Affiliate Links, wodurch ich eine Provision erhalte, wenn Ihr Produkte über diesen Link kauft. Die Produkte werden für euch dadurch aber nicht teurer. 

Zahlen, Daten & Fakten

Brennweite [mm]28-75
LichtstärkeF/2.8
kleinste BlendeF/22
kürzeste Einstellentfernung [m]0.18m (WIDE), 0.38m (TELE)
Max. Abbildungsmaßstab1:2.7 (WIDE)/ 1:4.1 (TELE)
Filtergröße [mm]67
Gewicht [g]540g
Gruppen – Elemente15-17
Bildwinkel32°11′-75°23′
Größter Durchmesser x Baulänge [mm]75,8 x 117,6
Preis Foto Franz [€]949 – Link
Preis Amazon [€]949 – Link
Quelle: https://www.tamron.eu/de/objektive/28-75mm-f28-di-iii-vxd-g2/

Verarbeitungsqualität im Vergleich zur Generation I

Die Haptik und das Aussehen der neuen Tamron Objektiven sticht als erstes ins Auge. Das Design ist ansprechend und wirkt sehr viel hochwertiger als zuvor. Die Oberflächen sind nicht mehr so kratzempfindlich und Fingerabdruckanfällig. Durch die unterschiedlichen Durchmesser sieht das Objektive jetzt auch etwas spannender und nicht mehr ganz nach einem Plastikbecher aus. NICE JOB!

Tamron bei 28mm – links Generation 2 / rechts Generation 1

In eingefahrenen Zustand (bei 28 mm) unterscheiden sich die beiden Objektive so gut wie gar nicht in der Länge. Ausgefahren auf 75 mm ist die alte Generation minimal länger als das G2 Modell. Das Gewicht hat sich bei der Generation auch um ca. 10 g (von 550 g auf 540 g) verringert… merkt man zwar nicht, wollte ich aber trotzdem mal erwähnt haben. Vor allem deswegen, weil das neue Design jetzt 17 Elemente in 15 Gruppen besitzt statt 15 Elementen in 12 Gruppen – Nicht schlecht oder?

Tamron bei 75mm – links Generation 2 / rechts Generation 1

Das Filtergewinde ist bei beiden Varianten das Gleiche – 67mm! Perfekt für einen Umstieg, so muss man zumindest nicht auch noch seine ganzen Filter ersetzen.

Was noch sofort auffällt ist der zusätzliche Button und die USB-Schnittstelle. Der zusätzlich frei programmierbare Button ist ja mittlerweile schon von vielen Kameraobjektiven bekannt und beliebt (z.B. für Fokus halten, Augen AF etc.) aber eine USB-Schnittstelle? Für was ist die denn gut?

Tja, wer Dominiks Beitrag zum neuen Tamron 35-150 F2/2.8 gelesen hat, kennt die Antwort schon. Und er nicht sollte das noch schnell nachholen – Link zum Beitrag.

Kurz zusammengefasst: Ihr könnt die Firmware aktualisieren, die Einstellung des Fokusrings ändern (Drehrichtung, Linearität, Funktion) und den Taster / Schalter mit einer Funktion belegen (abseits der in der Kamera eingestellten Belegung).

Die TAMRON Lens Software zum Herunterladen findet ihr hier: Link zu Tamron Lens Utility

Abbildungsleistung und Schärfe vom Tamron 28-75 F/2,8

Klar, die erste Generation war kein richtig „scharfes Teil“ (zumindest mein Exemplar), aber es wusste mit anderen Vorzügen zu glänzen, wie zum Beispiel der Größe, dem Gewicht und dem AF. Ein paar Jahre später sieht der Markt etwas anders aus und die Konkurrenz hat auch nicht geschlafen:

Doch wieso bringt Tamron eine neue Version seines beliebten Standardzooms raus? Ihr könnt es euch bestimmt denken… bei der neuen Generation wurde ordentlich an der Schärfe gedreht! Ich war und bin begeistert! So begeistert, dass ich wirklich ernsthaft überlege mein Altes zu verkaufen und mir stattdessen das Neue zu kaufen.

Doch eins nach dem anderen. Ich habe das Objektiv zusammen mit Dominiks a7rIV (61 MP, um das Maximum an Auflösung zu testen) mit nach draußen in die Natur und zu einem Friseursalon-Shooting der lieben Miriam (HaarLiebe) mitgenommen. Folgende Bereiche haben wir uns näher angeschaut: Gegenlicht, Sonnenstern, Schärfe, Bokeh & CAs.

Die Fotos wurden für den Blog alle auf maximal 4000 Pixel und eine Dateigröße von max. 1,5 MB reduziert. Falls ihr Interesse an den originalen Dateien habt, schreibt uns gerne eine Mail.

Gegenlicht und Sonnenstern

Im Gegenlicht macht das Objektiv eine super Figur. Der Kontrast und die Farben sind satt und fallen nicht ab. Die Lens-Flares halten sich in Grenzen und stören meiner Meinung nach überhaupt nicht.

Gegenlichtaufnahme bei 75 mm / F3.2 / ISO 100
Gegenlichtaufnahme bei 28 mm / F4 / ISO 100

Der Sonnenstern könnte vielleicht noch etwas „hübscher“ sein, geht aber für mich und meine Motive voll klar oder was meint ihr?

Sonnenstern bei 75 mm / F9 / ISO 100

Wie Scharf kann Scharf sein? Der Schärfe-Test

Beim Fotoshooting überzeugte das Objektiv durch den schnellen und präzisen Autofokus, sowie die knackscharfe Abbildungsleistung. Und da meine ich nicht nur das Werkzeug! Das Objektiv eignet sich durch den Zoombereich hervorragend für schnellen „Schüsse“ wie zum Beispiel Party, Urlaub etc., kann aber meiner Meinung nach auch locker für richtige Aufträge genutzt werden, da trotz des Zooms kein Kompromiss bei der Schärfe in Kauf genommen werden muss.

Schärfe Vergleich altes & neues Tamron 28-75 F/2.8

Jetzt habe ich mir aber die Frage gestellt, ob mein altes auch so gut war (bei dem Shooting hatte ich leider nur das neue dabei)? Also musste ein Vergleich her. Wieder mit der Sony a7rIV / auf einem Stativ / 1/80 s / ISO 400 / F4. Auf den ersten Blick sahen beide Bildern eigentlich ganz ok aus aber….

Beim genaueren Hinsehen am PC bin ich dann aber fast vom Stuhl gefallen! Mein „altes“ Tamron ist so dermaßen weich (vor allem zu den Rändern hin), sodass die Schrift von der Tafel fast nicht lesbar ist. Im Gegensatz dazu ist das Neue so unglaublich scharf, dass ich mir die Frage gestellt habe ob mein altes eventuell einen kleinen defekt hat?!

Nachdem ich den ersten Schock überstanden habe, musste ich das Ergebnis natürlich nochmal in Ruhe reproduzieren. Dafür habe ich mir im kleinen Studio ein einfaches Testchart von der Technischen Universität Dresden heruntergeladen (Link) und in ein Ecke gehängt. Mir ist bewusst, dass dies kein perfekter Test ist und hier die Druckqualität etc. entscheidend ist aber für mich sollte es nur einen Vergleich zwischen der neuen und der alten Version ermöglichen. Jetzt habe ich mir aber die Frage gestellt, ob mein altes auch so gut war (bei dem Shooting hatte ich leider nur das neue dabei)? Also musste ein Vergleich her. Settings: a7rIV / auf einem Stativ / 1/8 s / ISO 100 / F2,8 / 75 mm.

Das Ergebnis war & ist wieder eindeutig! Das neue 28-75 mm F2.8 von Tamron ist gefühlt 1000 mal schärfer als meine alte Version. Ist euer Objektiv der ersten Generation schärfer als meins? Dann schreibt es mir bitte in die Kommentare. Mein Objektiv habe ich mittlerweile zum Tamron Service nach Köln geschickt, um es dort von den Profis überprüfen und ggf. justieren zu lassen. Ich halte euch natürlich weiterhin auf dem Laufenden, wie das Ergebnis nach dem Service aussieht und ob es sich wirklich um ein „defekt“ gehandelt hat –> neue Vergleichsfotos folgen.

Update: 16.12.2021: Mein „altes“ Objektive kam super schnell wieder zurück mit dem Hinweis: Es wurde alles Überprüft und es wurde KEINE Justage oder Reparatur vorgenommen! Das heißt, es ist nichts defekt! Verrückt… ich hätte echt gedacht, dass es einen schaden hat. Aber vermutlich ist das neue einfach so dermaßen Scharf, dass alles andere daneben kaputt aussieht.

Mittlerweile haben auch Krolop und Gerst ein Video zum Tamron 28-75 mm F/2.8 G2 veröffentlicht. Auch sie kommen bei den Vergleichsfotos zwischen der alten und neuen Version auf sehr ähnliches Ergebnis wie wir in unserem Test (guter Vergleich ab Minute 24:33)! Scheint wohl doch kein defekt meiner Linse zu sein, sondern eher eine verblüffende Leistung der neuen Version (vor allem beim Vergleich zu den anderen Objektiven)!

Bokeh Vergleich

Das Bokeh wurde bei Tamron 28-75 der ersten Generation oft kritisiert. Zu „scharf“ wirkte das Bokeh, was vor allem bei Gegenlicht sehr deutlich wurde und auch ich habe es öfters mal bemängelt. Schön deutlich konnte man den hellen, scharfen Rand beim Lichtkugeltest sehen. Bei der neuen Generation V2 wurde das Bokeh deutlich überarbeitet und in meinen Augen verbessert. Jetzt sieht die Helligkeitsverteilung viel homogener aus und das Bokeh wirkt weich und ruhig. Sehr schön, gefällt mir.

Chromatische Aberrationen – CA

Bei den Chromatische Aberrationen (kurz CAs) hat sich auch deutlich was getan! Diese Farbfehler kann man gut am lila /roten Rand bei dunklen Kanten vor hellen Hintergründen erkennen. So wie auch bei diesem Tor vor dem hellen Himmel. Die Kante der Mauer verfärbt sich beim alten 28-75 deutlich ins lila.

Naheinstellgrenze / Makro

Die Naheinstellgrenze liegt beim 28-75 mm F/2.8 G2 im Weitwinkelbereich nun bei 18 cm, also 1 cm näher als das Modell der ersten Generation, was jetzt einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,7 entspricht (früher 1:2,9). Für richtige Makro Aufnahmen, die eher bei min. 1:1 liegen, reicht es zwar noch nicht wirklich aus aber man kommt für einen Allrounder schon sehr nah ran. Für Produkt-Testfotos habe ich die Naheinstellgrenze der ersten Version schon sehr oft ausgereizt, wodurch ich um jeden zusätzlichen Millimeter mehr dankbar bin.

Neuer VXD Autofokus – merkt man den Geschwindigkeitschub?

Das neue Autofokus-System im 28-75 hat einen VXD-Linearmotor (Voice-coil eXtreme-torque Drive). Laut Tamron ist die AF-Geschwindigkeit jetzt etwa doppelt so hoch wie beim Modell A036 der ersten Generation. Klingt vielversprechend aber merkt man das auch wirklich?

Ich hatte vorher nie wirklich Probleme mit der AF Geschwindigkeit (bin aber auch kein Sportfotograf). Sowieso habe ich sie fürs Filmen immer etwas reduziert um weiche Übergänge zu bekommen. Beim Fotografieren war das Problem eher gefühlt der manchmal falsch sitzende Fokus (rein subjektiv). Also habe ich beide Objektive auf die neue Sony a7IV (Link zum Beitrag) geschnallt und bei gleicher Einstellung (4K, AF schnell, AF Reaktionsfähig etc.) geschaut wie schnell und zuverlässig die beiden Objektive mein Gesicht tracken. Das Video erspare ich euch an dieser Stelle (Ich sah aus wie ein Vogel…). Die Unterschiede sind zwar teilweise etwas schwer erkennbar (beide Linsen sind echt sehr schnell) ABER rein subjektiv konnte man schon eine Geschwindigkeitsverbesserung wahrnehmen. Mein Test war aber leider nicht wirklich reproduzierbar… hier überlegen wir uns zukünftig eine standardisierte Testumgebung, die dann auch eine bessere Vergleichbarkeit schafft.

Fazit

Das neue 28-75 mm F2.8 von Tamron konnte mich in allen Punkten überzeugen. Eigentlich habe ich gedacht (und auch etwas gehofft), dass das neue Objektiv nur kleine Verbesserungen mit sich bringt und ich ruhigen Gewissens meine alte Version weiterverwenden kann. Aber da die Schärfe um so viel besser ist, die Haptik was her macht und die kleinen Zusatzfunktionen das Leben erleichtern, bin ich jetzt wirklich schwer am Überlegen es mir doch zu kaufen. Was würdet ihr an meiner Stelle machen? Das Alte verkaufen und das Neue holen oder mit dem Alten weiter arbeiten?

Hier findet ihr noch zwei spannende Vergleichs- und Testvideos:

Noch ein kleines Selfie zum Abschied von dem tollen Objektiv. Ich werde dich vermissen! Aber vielleicht sehen wir uns bald wieder 🙂

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