DIY Kamera Lampe (Leuchte)

Frohes neues Jahr liebe Leser!! Habt ihr euch auch unzählige Vorsätze fürs neue Jahr vorgenommen? Diät machen, mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Geld für irgendwelchen Kram auszugeben? Alles Dinge, die oft versucht aber selten durchgezogen werden. Ich möchte euch stattdessen helfen etwas kreativer zu werden und euer Zuhause mit einer alten Kamera-Leuchte neu zu gestalten. Mit etwas Kreativität, handwerklichem Geschick und elektro Kenntnissen könnt ihr eine Lampe ganz einfach selbst bauen. Das spart nicht nur Geld, sondern ist auch individuell und sieht cool aus. Auf diese Idee wurde ich durch jonasjaeschkefotografie auf Instagram aufmerksam, der dort seine analoge Kamera-Lampe präsentierte. Sowas habe ich zuvor noch nie gesehen (auch wenn er sicher nicht der Erfinder dieser Idee ist – trotzdem vielen Dank fürs teilen).

Vorsicht - Leitung unter Strom

Hier fließt später Strom, den du nicht siehst, der aber lebensgefährlich sein kann! Überlasse daher elektrische Arbeiten einem Fachmann. Dieser Beitrag dokumentiert nur mein eigenes Vorgehen beim Bau dieser Leuchte. Gesetzliche Arbeitsschutzbestimmungen müssen immer eingehalten werden. Alle Angaben und Tipps ohne Gewähr! Jeder ist für sein Handeln und seine Fehler selber verantwortlich. Ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden und Verletzungen!

Die Auswahl

Welche Kamera für den Bau einer Leuchte verwendet werden soll ist natürlich reine Geschmacksache. Ich habe mich für die Minolta XG-1 entschieden, da ich ein Sony/Minolta Fan bin und diese erst kürzlich günstig auf eBay ersteigert habe. Oft findet man analoge Kameras auf eBay oder Flohmärkten, da sie entweder defekt sind oder aus einem Nachlass stammen. Schaut einfach mal rein – Ebay Link

Leider kann ich euch nicht sagen, ob es mit jeder Kamera so einfach funktioniert aber prinzipiell sollte jede 35 mm Kleinbildkamera ungefähr die gleichen inneren Abmessung besitzen.

Bauanleitung Retro Kamera Lampe

Für meine Lampe habe ich folgendes verwendet, was auch teilweise auf Flohmärkten oder im Baumarkt zu finden ist:

  1. Minolta XG-1 Kamera mit Abdeckung (Link)
  2. Cullmann Nanomax 480T Stativ (Link)
  3. LED Glühbirne E14 (Link)
  4. Lampenfassung E14 (Link)
  5. Stromkabel (EU-Stecker) mit Schalter (Link)

Wenn ihr alle Teile beisammen habt, kann es eigentlich auch schon losgehen.

1. Kamera reinigen & Batterien entfernen

Zu aller erst solltet ihr die Kamera gründlich reinigen (von Staub und Ablagerungen befreien) und die Batterien entfernen (falls vorhanden). Das mache ich in der Regel mit etwas Wasser, Wattestäbchen, Desinfektionsmittel und einem Lappen. Das Batteriefach bekommt ihr am Besten mit einer Münze auf.

 

2. Stoff-Vorhang & Anpressplatte entfernen

Als nächstes entfernen wir den Stoff-Vorhang. Diesen könnt ihr einfach raus ziehen (die Kamera ist sowieso defekt). Wenn ihr das erledigt habt, könnt ihr in diesem Zug auch gleich die Anpressplatte für den Film entfernen. Diese ist durch ein Federblech an dem Kameradeckel befestigt. Das Federblech hält sich selbst durch die Federvorspannung in den vier Nieten. Hier könnt ihr das Blech einfach etwas anheben und die Laschen unter den Nieten nach innen drücken. Dadurch löst sich das Blech fast schon von selbst.

 

3. Öffnung Kameragehäuse-Deckel bearbeiten

Ihr könnt die Lampe mit oder ohne Verschlußdeckel bauen. Mit einem Deckel ist der Sitz der Glühbirne etwas besser und verdeckt zugleich den silbernen Rand. Es funktioniert aber auch ohne, falls ihr keinen habt.

Für die Anpassung nehmt ihr einfach einen alten Deckel und macht da ein Loch rein, sodass mindestens die LED-Glühbirne reinpasst. Falls ihr das Loch nicht perfekt platzieren könnt (so wie bei mir), dann könnt ihr das Loch auch einfach etwas größer machen. Ich habe dafür einen Akkubohrer und eine Rundfeile verwendet –  Die Kante sieht man später ohnehin nicht mehr. Ist zwar nicht schön aber selten. 😉

 

4. Einbau Lampen-Fassung (Spiegel hochklappen)

Jetzt kommt der spannende Teil. Der Spiegel wird von vorne hochgeklappt und wir stecken die Fassung in das Loch… oft ist es etwas eng, sollte aber trotzdem passen. Falls nicht, könnt ihr die Fassung leicht anpassen (abschleifen) oder euch eine andere Fassung besorgen. Meine E14 Fassung aus Kunststoff passt hier perfekt rein. Hier bitte darauf achten, dass die Fassung nicht aus Metall ist! Bei einem Kurzschluss der Lampe kann es sonst lebensgefährlich werden, denn das Kameragehäuse ist teilweise aus Metall und leitet den Strom!

 

 5. Kabel abisolieren & Litzen verlöten

Beim Abisolieren des Kabels solltet ihr vorsichtig sein, damit ihr die Litzen nicht beschädigt. Hierfür bitte eine gute Abisolierzange verwenden. Notfalls tut es aber auch ein scharfes Messer. Nach dem Abisolieren könnt ihr die Litzen noch etwas verdrillen, damit das Einfädeln in die Fassung besser geht. Ich mache meistens noch einen kleine Lötzinnschicht drauf, sodass die einzelnen Drähte besser geschützt sind.

 

6. Kabeldurchführung ins Kameragehäuse bohren

Der nächste Schritt ist etwas knifflig. Das Loch für die Kabeldurchführung ist zwar schnell mit dem Bohrer gemacht, jedoch solltet ihr euch vorher gut überlegen, wo ihr es haben wollt. Wenn ihr einen passenden Platz gefunden habt, solltet ihr erst einmal mit einem kleinen Bohrer das Loch vorbohren. Dadurch verschwimmt euch der große Bohrer dann später nicht mehr. Für mein Kabel habe ich ein 6er Bohrer verwendet. Es kommt aber natürlich drauf an, wie dick euer Kabel ist. Das Loch solltet ihr ggf. noch mit einem Senker bzw. Feile entgraten, sodass euer Kabelmantel an dem Loch nicht geschlitzt bzw. beschädigt wird.

 

7. Kabel anschließen

Erde, Phase & Nullleiter – doch was ist hier was? Erde bzw. Schutzleiter kann man sich meist noch sehr einfach merken, dass ist das grün-gelbe Kabel (in meinem Fall leider nicht vorhanden und muss ggf. nachträglich installiert werden). Edit 02.01.2018: Der Schutzleiter muss mit allen stromleitenden Gehäuseteilen verbunden werden und der Stecker muss einen Schutzkontakt vorweisen (Schutzklasse 1). Falls dies nicht möglich ist, kann man die Zwischenräume mit Epoxidharz auffüllen und gegen das Gehäuse isolieren (Schutzklasse 2) oder Kleinspannungen verwenden (Schutzklasse 3). Weitere Infos findet ihr unter dem folgenden Link – Schutzklassen.

Bei Phase und Nullleiter wird es meist schon etwas schwieriger. Phase (Kurzbezeichnung „L“) ist in der Regel entweder braun, schwarz oder grau und führt den Strom aus der Steckdose zum Verbraucher bzw. Schalter. Der Neutrallleiter oder auch Nullleiter genannt (Kurzbezeichnung „N“) hat meist eine blaue Isolierung und führt den Strom wieder zurück. Bei der Glühbirnenfassung wird die Phase immer an die den Fußkontakt (bei der Glühbirne der schwarze Punkt) gelegt und der Nullleiter an die Fassung selbst.

Der Schalter sollte bei Lampen mit EU-Steckern (richtungsunabhängig, wie sie in die Steckdose gesteckt werden) immer beidseitig den Strom kappen. Alternative: Für alle, die nicht selbst löten und anschließen wollen, gibt es auch teilweise fertige Fassungen mit Kabel und Schalter (Amazon Link). Diese habe ich aber nicht ausprobiert, ob die tatsächlich direkt unter den Spiegel reinpassen.

Abschließend können die Kabel bzw. der Hohlraum mit Epoxidharz vergossen werden, um eine bessere Isolierung zu gewährleisten (Schutzklasse 2). Danach muss der Deckel nur noch geschlossen und das Schraubgewinde der Fassung zusammen mit dem Kameradeckel montiert werden. Durch die Klemmung des Kabels mit dem Kameragehäuse entsteht eine mehr oder weniger gute Zugentlastung für das Kabel, welches an der Fassung befestigt ist. Hier dürfen die Kanten natürlich nicht scharfkantig sein, da sonst das Kabel beschädigt werden kann. Am Ende fehlt nur noch die Gühbirne, die ihr je nach Geschmack wählen könnt. In meinem Fall war es eine günstige LED-Birne aus dem Baumarkt.

 

Fazit

Super einfach und doch einzigartig. Ich liebe meine neue Schreibtischlampe, die ich mit dem Stativ nach belieben auch anderweitig einsetzen kann. Mit etwas Glück für weniger als 40 € und ca. 2 Stunden Arbeit herstellbar. Ich bin begeistert! 

Ihr wollt es nicht selbst bauen und lieber kaufen? Das ist zwar nicht ganz so cool, geht aber auch. Schaut hierfür einfach mal auf DaWanda.

Habt ihr auch schon sowas oder ähnliches selbst gebaut? Über eure Erfahrungen in Form eines Kommentars würde ich mich freuen.

Dieser Beitrag bzw. dessen Bewertung wurde nicht finanziert oder gesponsert! Die Sachen wurden selbst gekauft und getestet. Dieser Beitrag enthält Amazon & Ebay Affiliate Links, wodurch ich eine Provision erhalte, wenn Ihr Produkte über diesen Link kauft.

Am Ende noch mal der Hinweis: Strom kann lebensgefährlich sein! Elektrische Arbeiten dürfen nur von Fachpersonal durchgeführt werden. Alle Angaben und Tipps ohne Gewähr! Jeder ist für sein Handeln und seine Fehler selber verantwortlich. Ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden und Verletzungen!

6 Gedanken zu “DIY Kamera Lampe (Leuchte)

  1. Lass das bloß keinen Elektriker sehen!

    (Erstmal hast du eine Leuchte gebaut; Lampe heißt nur das Leuchtmittel. Das mal am Rande.)

    – Da fehlen Knickschutz und Zugentlastung für das Kabel!

    – Das hier ist nun sowas wie Schutzklasse 0, in Deutschland nicht zulässig!
    – Für Schutzklasse I müssen alle elektrisch leitenden Teile des Gehäuses, die berührt werden können, mit dem Schutzleiter/PE/Erde verbunden werden! Hier sicher etwas schwierig.
    – Alternativ ginge Schutzklasse II, die zwischen Stromkreis und den Metall-Teilen eine verstärkte oder doppelte Isolierung fordert. Vielleicht genügt es dazu, den Raum zwischen Fassung und Gehäuse mit temperaturbeständigem Isolationsmaterial zu befüllen (Kunstharz/PU-Schaum).
    – Am einfachsten wäre aber Schutzklasse III mit Schutzkleinspannung: z.B. einfach nur mit 12 V (über Netzteil) oder 5 V (USB-Adapter) arbeiten.

    Was passieren kann?! Normalerweise nichts, aber wenn’s dumm läuft… Versicherungen und Staatsanwaltschaft können der Phantasie sicher auf die Sprünge helfen 😉
    Vor allem wäre ich vorsichtig, solche Anleitungen ins Netz zu stellen. Könnte ja einer versuchen, der nur zwei linke Hände hat und beide voller Daumen…
    Messer, Gabel, Schere, Licht gehör’n in dumme Hände nicht! 🤕

    1. Jetzt habe ich vor lauter Blabla die positive Kritik vergessen, die da sagt, dass die Idee als solches und die Umsetzung im großen und ganzen zu gefallen wissen 😉👍

  2. Hallo Michael,

    vielen Dank für dein Kommentar und die sehr guten Anmerkungen.
    Du hast vollkommen recht, ein Elektriker dürfte meine „Lampe“ nicht zu Gesicht bekommen. Dieser Beitrag sollte keine 1 zu 1 Anleitung zum Nachmachen, sondern meinen Umbau dokumentieren und einen kreativen Gedankenanstoß liefern. Der Bau erfolgt IMMER auf eigene Verantwortung und darf nur, wie jede elektrische Arbeit, von befähigten Personen durchgeführt werden 😉

    Die Idee einer Niedervoltlösung gefällt uns aber sehr gut und wir werden diese beim nächsten Umbau berücksichtigen.

    Die Zugentlastung ist durch die Klemmung des Kabels unter dem Deckel sichergestellt. Hier sollte man aber darauf achten, dass das Kabel nicht durch scharfe Kanten beschädigt wird.
    Weiterhin könnte man durch eine zusätzliche Anbringung eines Kabelbinders nachdenken.

    Wie schon im Beitrag beschrieben, sollte der Hohlraum und damit die Raum zwischen den Stromleitenden Teilen und dem Gehäuse, mit Epoxi vergossen werden. Damit sollte eine ausreichende Isolierung erfolgen.

    Nochmals vielen Dank, dass du dir hier Gedanken gemacht hast.

    Viele Grüße
    Johannes

    1. Vielen lieben Dank 😊 ich liebe diese Tischleuchte – und die alte Minolta hat damit auch noch einen ehrenvollen Platz bekommen.

      1. oh ja 🙂 ich habe ja auch ein paar alte und defekte kameras. das wär echt was. im moment ein platzproblem, aber vielleicht mal in einer größeren wohnung 🙂

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