Welche Kamera sollte ich kaufen? Was bedeuten die Zahlen und Werte – Kaufberatung

Du willst dir also eine Kamera zulegen und noch schönere Bilder machen?

„Das Wichtigste überhaupt ist es, eine Canon zu nehmen, da Nikon bis auf eine Kamera total nachgelassen hat und Sony ist eh so neu, damit fotografiert kein Profi.“ Bull****! Aber tatsächlich war das einer der Tipps, den ich vor meinem ersten Kamera Kauf erhalten habe: „Nimm Nikon oder Canon, der Rest taugt eh nichts“. Mach dich bitte davon frei! Es gibt inzwischen viele Hersteller auf dem Markt, die den „klassischen“ Anbietern in nichts nachstehen oder sogar besser sind. Achte aber vor dem Kauf, dass es auch (evtl. bezahlbares) Equiptment wie Objektive, Blitze, Fernauslöser etc. für deine Anwendung gibt. Ich selbst habe mich damals entgegen dieser Beratung für die Sony a68 entschieden und bereue es nicht. Sie ist perfekt FÜR MICH zum Einstieg (bisher stört mich nur, dass sie ab ISO 800 anfängt zu rauschen).

Ansonsten sind Anforderungen sozindividuell wie der Fotograf selbst, daher kein eindeutige „KAUF DIR DIE KAMERA XY!“ Kaufempfehlung von mir.

Und genau deshalb erläutern wir hier kurz einige Zahlen und Werte und hoffen, dass du anhand dessen entscheiden kannst, welche Kamera perfekt für dich ist. Dieser Beitrag wird in Zukunft immer weiter wachsen und wenn dir etwas Wichtiges auffällt, dann schreib uns einfach.

Die Auflösung – Megapixel

Die meisten Kamerahersteller prahlen mit diesem Wert um die Wette. Wenn nichts von interpoliert oder ähnliches dabei steht bedeutet dieser Wert aus wie vielen Punkten dein aufgenommenes Bild später besteht. 24 MP bedeutet beispielsweise 24 Millionen Bildpunkte (z.B. 6.000 x 4.000 Punkte). Um so mehr Bildpunkte du hast um so mehr Detail kannst du später theoretisch im Bild erkennen. Mehr Bildpunkte bedeuten aber auch, dass bei gleicher Chipgröße die einzelnen Pixel kleiner werden. Jeder einzelne bekommt also weniger Licht, außerdem können Lichtbrechungseffekte (z.B. chromatische Aberration) sichtbar werden. Du solltest für dich überlegen, welche Auflösung du wirklich brauchst. Online-Druckereien empfehlen ca. 100 dpi/ppi (39 Dots per cm) für Leinwanddrucke (Was viele gerne machen). Bei der oben genannten Auflösung könntest du also theoretisch ein Bild der Größe 1,54 m x 1,03m drucken lassen. Brauchst du es größer, so benötigst du auch mehr Megapixel. Es gibt auch Druckereien die mit 300 dpi/ppi auflösen. Auch dann braucht man evtl. eine höhere Auflösung. Aber Achtung! Auch das Objektiv hat eine Auflösung. Wenn das Objektiv die Punkte nicht auflösen kann, helfen dir 100 MP an der Kamera auch nichts.

Das Sensor-Chip-Format

„Du bist kein Profi, wenn du nicht Vollformat fotografierst.“ Klar oder? Ne! Über dieses Thema gibt es endlose Diskussionen, welche ich hier nicht breit treten möchte. Erstmal sagt der Wert nichts aus, außer wie groß der Sensor ist.

Allgemein lässt sich sagen, dass je größer der Chip ist, desto geringer ist die Schärfentiefe bei gleichem Objektiv (wichtig für Portraits) . Außerdem ist unumstritten, dass bei gleicher Brennweite ein größerer Chip einen größeren Bildausschnitt wiedergibt (manchmal interessant bei Landschaftsaufnahmen). Auch nicht gestritten wird beim Preis. Je größer der Chip, um so teurer das Objektiv, bei vergleichbaren Kennwerten. Gestritten wird aber beim Thema „mehr Licht am Sensor, je größer der Sensor“. Diese Diskussion habe ich aufgegeben, weil sie mir egal ist. Der nächste Wert erklärt euch auch warum:

Der Low-Light ISO

„Vollformat rauscht bei hohem ISO weniger als APSC“ stimmt eben nicht unbedingt. Der Low-Light ISO sagt, bei welchem ISO das aufgenommene Bild einen gewissen Rauschabstand (meist unter 20dB) erreicht. Bildlich gesprochen: Bei welchem ISO fängt es an zu rauschen (Achtet bitte drauf, dass immer gleich getestet wird bzw. der gleich Rauschabstand bewertet wird). Da wird es interessant. Willst du nur Portraits bei Sonne oder gar im Studio machen braucht dich der Wert garnicht interessieren. Da reicht ein geringer ISO-Wert und alles ist super. Willst du aber auch im „Dunkeln“ mit einer geringen Verschlusszeit fotografieren, dann ist dieser Wert wichtig. Günstige Kameras fangen oft ab ISO 800 an zu rauschen, bezahlbare oft ab ISO 2400 und so weiter. Je mehr Euronen du in die Hand nimmst, umso mehr kannst du erwarten.

Da du vermutlich keine Lust hast 50 Kameras zu kaufen, zu testen und dann 49 wieder zurückzuschicken gibt es dazu ganz nette Vergleichsseiten im Internet. Ich vergleiche ganz gerne auf dieser Seite (Link).

Der Bildstabilisator

Der Bildstabilisator versucht die Bewegungen die du während des Belichtens machst auszugleichen. Auf diese Weise wird ein Bild auch bei längerer Belichtungszeit hoffentlich nicht verwackelt (Youtube Video Kamerahersteller). Einige Hersteller verwenden Stabilisatoren direkt in der Kamera (oft IBIS für „in body image stabilization”), andere im Objektiv. Sehr modere Kameras komibnieren beides (und erreichen hier einen Faktor 5 und mehr um den die Belichtungszeit verlängert werden kann). Wer nur Landschaften fotografiert kann sich hier entspannt zurücklehen. Bei Portraits und erst recht bei Sportfotografie (oder auch aktiven Kindern) sieht es schon anderes aus. Wer hier auf den IBIS verzichtet braucht entweder viel Licht für eine kurze Verschlusszeit oder einen Stabi im Objektiv. Objektive mit Bildstabilisator sind natürlich teuerer, weil dieser schließlich auch kostet. Wer hier an der Kamera spart zahlt danach oftmals bei jedem Objektiv drauf.

Der Dynamikumfang

Das ist die Anzahl der Blendenstufen die möglich sind, ohne dass hell einfach weiß und dunkel einfach schwarz ist. Logisch? Naja, bei mir hat es etwas gedauert, aber dieser Wert ist mir richtig wichtig geworden. Mein Lieblingsmotiv ist eine hübsche Frau im Sonnenuntergang bei Gegenlicht. Ein hoher Dynamikumfang erlaubt hier, dass die Dame noch Farbe hat und nicht nur ein Schatten ist, ohne dass der Himmel einfach nur weiss ist. Natürlich gibt es Tricks mit Aufhellen, Gegenblitzen oder HDR-Aufnahmen, aber ein hoher Dynamikumfang beinhaltet ohne Tricks in solchen Situationen einfach mehr Bildinformationen. Beachtet dabei bitte, dass mit jedem Blendenwert (1EV) eine Verdoppelung z.B. der Helligkeit möglich ist. Nice to know: Das menschliche Auge verfügt im Schnitt über einen Dynamikumfang von ca. 20 EV. Gute Kameras arbeiten so im Bereich von 13-15 EV herum. Es fehlen also auch bei den guten 5 EV, also Faktor 32.

Optischer Sucher vs. Elektronischer Sucher

Beim optischen Sucher wird das Bild durch das Objektiv über Spiegel oben im Sucher angezeigt. Die häufigste Alternative dazu ist der elektronische Sucher (EVF). Bei diesem System wird das Bild über einen kleinen Monitor im Sucher angezeigt. Wir gehen hier kurz auf Vor- und Nachteile des EVF ein:

Nachteile:

  • In sehr dunkler Umgebung wird evtl. nur dunkles Rauschen angezeigt
  • Auflösung durch Displayauflösung begrenzt
  • Das System benötigt Energie zum Arbeiten
  • Es kann (evtl.) zu einem Zeitverzug kommen

Vorteile:

  • Das Bild wird so angezeigt wie es später wird (Belichtung, Weissabgleich etc.)
  • Beim manuellen Fokusieren kann in das Bild gezoomt werden (Stichwort Fokuslupe)
  • Zusatzinformationen können angezeigt werden (Histogramm, Kantenabhebung, Eyefinder etc.)
  • Kein Spiegel notwendig (kompaktere Kauform möglich, Spiegelvorauflösung etc. unnötig)
  • Das gerade gemachte Bild kann angezeigt werden

Probiert, wenn ihr die Chance habt, beide Systeme aus. Ich bin inzwischen begeistert von EVF, weil ich vorher schon genau sehe, wie mein Bild wird und danach (gerade bei Blitz etc.) angezeigt bekomme, wie das Bild denn nun wirklich geworden ist ohne die Kamera absetzen zu müssen. Entschuldigt bitte meine Subjektivität, aber gerade bei Anfängern sehe ich immer wieder wie viel angenehmer dieses System ist und wie schnell man damit auf Manuell wechseln kann, um wirklich alles rauszuholen. Die Sucherauflösung und Bildrate ist inzwischen so gut, dass es für die meisten Anwender dicke reichen sollte.

Auf Systemen ohne Sucher gehe ich hier nicht ein. Fotografieren mit dem Display kann ich garnicht empfehlen, da das Umgebungslicht viel zu viel Einfluss auf das Bild haben kann. Selbst die größten Skeptiker im Umfeld sind inzwischen alle auf den Sucher umgestiegen. Eine Kamera ohne Sucher macht euch früher oder später das Leben echt schwer.

Spiegelreflex, teildurchlässiger Spiegel oder Spiegellos

Klassische „große“ Kameras sind Spiegelreflexkameras (DSLR), das heisst das Bild wird über einen Spiegel in den Sucher übertragen (s.o.) (Wikipedia). Bei Systemen mit teildurchlässigem Spiegel (SLT) bleibt dieser im Gegensatz dazu immer stehen. Dies hat Vorteile z.B.  beim Autofokus oder Filmen kostet aber Licht (ca. 20% sogar)(Wikipedia). Systeme ganz ohne Spiegel sind relativ neu und groß auf dem Vormarsch. Sie versuchen beide Vorteile zu vereinen, das die Konstruktion jedoch schwieriger macht (Wikipedia)

Serienaufnahme – Geschwindigkeit

Die Serienaufnahmefunktion sagt dir, wieviele Bilder pro Sekunden du machen kannst. Ein hohe Bildrate ist wichtig, wenn du zum Beispiel Sport fotografierst, Actionbilder machst oder Wildlifeaufnahmen. Oftmals sind weniger Megapixel und ein kleinerer Chip schneller, es gibt jedoch Ausnahmen. Bei Portraits spielt die Bildrate meistens eine weniger wichtige Rolle. Wichtig ist auch wie lange diese Geschwindigkeit aufrecht erhalten werden kann, bevor der Puffer geleert werden muss. Dies ist natürlich auch von der Speicherkarte (Speicherkartentest von Photoscrubs) abhängig. Einige Kameras drehen auch die Auflösung oder Qualität bei schneller Wiederholrate herunter, auch darauf solltest du achten.

Single- oder Dual-SD-Fach?

Ein Fach für ein Speichermedium sollte deine Kamera schon haben. Aber warum haben manche zwei Fächer? Inzwischen gibt es doch sehr große Speicherkarten? Oder geht es um die Schreibgeschwindigkeit? Naja auch. Auf zwei Karten kann man parallel doppelt so schnell schreiben. ABER! Interessanter ist die Funktion redundant zu speichern. Die gemachten Fotos werden auf beiden Speicherkarten (also doppelt) gespeichert. Warum? Naja, die Wahrscheinlichekeit, dass eine Karte ausfällt und nicht mehr gelesen werden kann ist garnicht so gering, auch ich hatte das schon. Blöd wenn da darauf der schöne Sonnenuntergang von gestern abend ist. SEHR BLÖD, wenn darauf die Bilder von einer Hochzeit sind (oder naja waren). Die Bilder dieses (hoffentlich) einmaligen Events sind dann verloren und die Gesichter lang, habt ihr auch noch Geld verlangt wird es noch schwieriger.  Oftmals kann man zumindest einige Daten von SD-Karten retten aber eben nicht immer und nicht alle. Leider besitzt meine Kamera nur ein Fach, deshalb kann ich nicht mehr dazu berichten.

Wifi, Bluetooth und Co.

Anfangs habe ich gedacht, dass ich solchen Schnickschanck nicht brauche aber inzwischen hätte ich bei dem ein oder anderen Shooting gerne die Bilder direkt am Tablet gezeigt, damit das Model sofort weiß, was ich meine und wie es wird. Klar geht Kabel, aber außerhalb eines Studios ist das eher unpraktikabel.

Die Größe der Kamera

Natürlich ist es gut, wenn eine Kamera schön leicht ist, aber wie sieht es mit der Größe aus? Ich persönlich mag große Kameras und finde, dass eine große Griffmulde das Tragen und Halten doch deutlich angenehmer macht. Unterschätzt das Gewicht nicht, das eine Kamera mit Objektiv hat. Meine a68 wiegt zum Beispiel nur 596 g ohne Akku etc. Mit Akku und Speicherkarte sind es schon 675 g. Schraub ich jetzt noch mein Sigma 50mm f1.4 drauf, kommen noch einmal 815 g dazu, was deutlich mehr ist als die Kamera selber. Das Gesamtgewicht steigt auf fast 1,5 kg, die möchte man schon ordentlich greifen.

Welche Werte interessieren dich noch? Schreib einfach und wir werden den Artikel erweitern, falls wir die Antwort kennen.

 

 

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